Jetzt ist es so weit! Es ist vollbracht. Das Ding steht
Die Philip Quaque Boys School hat eine eigene Schulbibliothek!
Bis ich diesen Satz aufrichtig formulieren konnte, hat es ein wenig gedauert…Und genau diesen langwierigen Prozess möchte ich euch beschreiben, Euch die mir und meiner Idee Vertrauen geschenkt haben.
Alles fing an mit einem Spendenaufruf.
Ich stieß auf mehr offene Ohren als erwartet, was mich nach wie vor, wenn ich den Raum betrete, beeindruckt. Sich selbst als jemanden betrachten zu können, der aus dieser Distanz in der Lage ist zu helfen, finde ich unglaublich. Sich angesprochen fühlen, dass war das Wichtige. Und das haben viele. Und würdet ihr, meine Unterstützer, in einer meiner Stunden sitzen, hättet ihr ein „CLAP FOR THEM“ sicher. Also nochmals jedem einzelnen von euch vielen Dank. Und diesmal bitte auch angesprochen fühlen
…
Nach anderthalb Monaten war es dann auch meiner Organisation möglich mir genügend Geld zu überweisen um die ersten Schritte auf dem Pfad der Umsetzung zu gehen. Ich hatte großes Glück, da ein sehr guter Freund von mir Zimmermann ist. Da war die erste Schwierigkeit, dass ich den „Obruni-Preis-Bonus“ erhalte schon mal beseitigt. Am Anfang hatte ich ein bisschen Bedenken, weil Geschäft und Freundschaft ja immer ein sehr schmaler Grad sind…aber ich hatte wie so oft unglaubliches Glück . Nicht nur das Nana mit mir alle Erledigungen absprach oder gemeinsam unternahm, nein er sorgte auch für ein schnellstmögliche Umsetzung. Am Anfang wollte er das ich den Auftrag seinem Bruder gebe, nachdem wir aber beide merkten, dass es selbigem an Seriosität fehlte, nahm er das Ruder wieder in die Hand.
Ich hatte witzige trilinguale Gespräche mit muslimischen Holzhändlern…muslimisch erwähne ich extra, weil es uns zweimal vergönnt war äußerst ungelegen zu kommen und somit auf den sich gerade beim Beten befindenden Geschäftspartner zu warten. Als es dann zu dem Geschäft kam, wurde gefeilscht, was das Zeug hielt. Über 150 Cedi konnten Nanas Fanti und mein breites hoffentlich eher nett als beängstigend wirkendes Lächeln rausschlagen. Am Ende hatten wir dann 40 lange Bretter aus feinstem Tropenholz Der Plan war 7 wundervolle Bücherregale entstehen zu lassen…
Dazu muss einiges getan werden. Bretter schleppen, mit Insektizid behandeln, sägen, nageln, lackieren, kleben… Toll war das. Mein Lieblingsmoment war eindeutig der, als ich mit 7 Meter langem Brett den Weg vom Parkplatz runter zum Tel Aviv bestreiten musste und sämtliche Fischer, die gerade ihre Netze für den nächsten Tag präparierten, ein „ Thank you, Thank you“ entgegenriefen. Als ich dann an der letzten Hürde angekommen war, scheiterte ich auch noch sehr „elegant“ dank meines, in diesem Moment nicht ganz ausreichenden, räumlichen Sehvermögen. Ich war vorne schon mit dem Brett um die Ecke, aber hatte den deutlich längeren Teil des Brettes hinter mir völlig außer Acht gelassen. Schwuppsdiwupps lag ich auf dem Arsch…Durch diese Aktion lernte ich von Nana das Wort für „tut mir überhaupt nicht leid“…Toll
Durch die Komplikationen mit Nanas Bruder verzögerte sich der Bau der Regale ein wenig…Aber nach einem Monat waren sie dann fertig und wurden vom Tel Aviv in meine Schule gebracht. Da stellte sich dann heraus, dass der zu erst vorgesehene Raum, nur eine vorübergehende Lösung darstellen sollte. Da war sie wieder, die unbeschreibliche Dankbarkeit. Erst wurde ich nur halb informiert und dann hatten sie auch wieder gleich, bevor irgendein Dank überhaupt ausgesprochen wurde, Kritik für die Regale. Das Projekt ist für die Jungs und deswegen ist mir das Verhalten gehörig egal gewesen. Damit habe ich gelernt umzugehen.
Nach kurzer Diskussion mit dem Headmaster, durfte ich dann den echten Raum beziehen, so dass ein späterer Umzug nicht mehr nötig werden würde. Das war dann ein Moment, der jegliche Stereotypen aufbrechen würde…Es wurde innerhalb von 2 Stunden ein Klassenraum, der vollgemüllt war mit allem möglichen Zeug(leere Farbeimer ,Schläuche, ein Tisch der einer Schlachtbank nahe kam, Spaten, Schubkarren, kaputten Schulbänken,etc.), in einen leeren Raum mit Regalen verwandelt. So schnell geht das, wenn viele Hände mit anpacken.
Der nächste Schritt bestand dann daraus, den Raum zu putzen. Wieder ging das ruckizucki
10 Schüler und los geht dat Schrubben!
Danach hatte ich noch eine sehr ermüdende Diskussion mit meiner stellvertretenden Headmistress. Sie war der Meinung, dass die Regale, so wie sie jetzt waren, nicht genügend Schutz bieten würden. Das Problem meiner Schule ist ja die Lage. Durch die Nähe zum Meer herrscht eine unglaubliche Luftfeuchtigkeit und die Seebrise tut auch ihr übriges. Da ich aber, nachdem sie es nach einiger Zeit geschafft hatte, mir einigermaßen plausibel zu erklären, warum eine einseitige Abdeckung der Regale wichtig ist, nicht den so häufig begangenen Fehler der Entwicklungszusammenarbeit begehen wollte, fügte ich mich ihrem Willen. Innerhalb eines Nachmittags hatten Nana und ich dann auch die Rückseite aller Regale abgedeckt.
So Regale waren da…was fehlt denn jetzt eigentlich noch? Nichts möchte der Laie meinen…Aber ich mit meinem unglaublichen Sachverstand erkannte das es auch Bücher braucht um eine Bibliothek zu schaffen
Erstmal fragte ich wieder die Headmistress, wie es mit unserem momentanen Bücherbestand verhält. Ich war mir sicher das wir Unmengen von Büchern, verschlossen im Office in staubigen Kisten, hatten. Aber sie meinte diese Unmengen würden sich auf zwei Kisten beschränken. Also gut. Dann ran ans Telefon. Das einzig wirklich produktive an dieser Aktion war, dass ich herausgefunden habe, dass ghanaische Regierungsabteilungen grundsätzlich Sekretärinnen anstellen. Also ich hab zumindest mit sechs Damen telefoniert
Ich wurde wie bei Asterix&Obelix von einer Abteilung in die nächste verwiesen, bis ich am Ende die Information bekam, dass man entweder Bücher nur verkaufen würde oder ich mich an die Verlage selbst wenden sollte
Naja…Meine Hoffnung, welche unseren schon vorhandenen Bücherbestand betraf war noch nicht erloschen. Also fragte ich noch mal den Big Boss. Ja und der meinte dann, dass es da so einen Raum gebe…da müsste ich dann mal den verantwortlichen Lehrer der Primary School fragen. Ja und der zeigte mir dann auch die Kammer des…ähh der Bücher. Schulen mit verschlossenen, geheimen Räumen lassen bei mir immer so ne Hogwarts-Assoziation aufsteigen.
Da stand ich nun vor einem Raum, dessen Tür ich nur einen Spalt weit aufbekam und der gefüllt war mit Büchern, die mir bis zum Bauchnabel reichten( Es schien so, als ob jegliche Bücher der PQBS einfach wahllos in diesen Raum geschmissen wurden)…Ordentlich Material!! Sehr gut.
Und wieder schnappte ich mir eine handvoll Schüler und wies sie an die Bücher aus dem Raum zu schaffen, zu sortieren und in die Bibliothek zu befördern. Alles klappte semi-optimal
Was man nicht alles findet:Ein Klassenbuch von 1963
Irgendwie scheint ein Berg aus Büchern zum Klettern zu verleiten, so dass ich deutlich mehr als einmal erklären musste, dass die Bücher nicht besser würden, wenn man auf ihnen herumtrampelt. Das Sortieren artete in ein in ich-schmeiß-jedes-Buch-in-die-Schubkarre aus.
Und das Transportieren wurde als Schubkarrenrallye genutzt.
Ich musste überall sein. Da Anweisung geben, hier Fragen beantworten. Es war sehr erlebnisreich. Grundschüler davon abbringen Bücher zu stehlen, meine Jungs motivieren weiter zu machen und Jungs, die die Gelegenheit anderweitig nutzten, zurechtweisen.
Am Ende hatte ich einen gewaltigen Bücherhaufen in der Mitte der Bibliothek. Es dauerte zwei Tage alles zu sortieren…Und als es vollbracht war, fiel mir wieder ein, dass die Regale ja unterschiedlich groß waren. Ein Fach wie R.M.E.( Religious and Moral Education) viel zu viel Platz hatte und das Regal mit Storybooks völlig überfüllt war.
Nach einer Woche war dann auch dieser Missstand beseitigt und alles war fein sortiert.
Aber schon in dieser Zeit hielt ich die Bibliothek stets offen. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass immer mindestens 6 Schüler sich im gleichen Raum mit mir befanden und diesen auch nutzten. Ich nutzte meine letzten Stunden um mit jeder Klasse in die Bibliothek zu gehen.
Der schönste Moment war für mich eindeutig, als ein sehr alter Schüler( JHS 2, bei uns 8. Klasse, 22 Jahre alt) sich ein Buch aus der Abteilung für die 1.Klasse nahm und sich hinsetzte und las. Das Buch hatte acht Seiten auf denen jeweils eine sehr große kindliche Zeichnung war unter der sich ein grammatikalisch und sprachlich sehr einfacher Satz befand. Und besagter Schüler blickte angestrengt mit faltiger Stirn unter höchster Konzentration in dieses Buch. Er versuchte zu lesen. Er versuchte anzuwenden, was er in der Schule gelernt hatte. Und ihm war es nicht peinlich dieses Buch zu wählen…dieser Moment bestätigte mich noch einmal unglaublich…Das Projekt war eine sehr sehr gute Sache!
Später ließ ich noch Bänke und Tische bauen um den Kindern auch eine möglichst gute Lese/Arbeitsbedingungen zu schaffen.
TADAAAAAAA!
Und dieser ganze Prozess ist nur dank euch möglich geworden. Ihr könnt euch getrost auf die Schulter klopfen…Jeden Tag eine gute Tat…ihr nehmt das mehr als ernst. Die Bibliothek wird wahrscheinlich sogar noch ein bisschen länger gute Arbeit leisten
DANKE!
Euer Jacob
PS: Der Bericht kommt jetzt erst, weil es mir irgendwie unangenehm war oder ich das Gefühl hatte es wäre nicht angemessen über den aktuellen Stand der Dinge zu berichten. Es schien mir immer zu wenig, zu belanglos. Erst die Fertigstellung konnte dieses Gefühl beseitigen…Ich bitte um euer Verständnis.

